Vier Stolpersteine für Familie Silberberg

In den vergangenen Jahren wurden an mehreren Orten Moabits 33 Stolpersteine für die Vorfahren von Benjamin Gidron verlegt. Meist ist er zu den Verlegungen aus Israel angereist.

Benjamin Gidron. Zum Vergrößern anklicken.
Benjamin Gidron

Am 2. Juni 2021 wurden nun auch vor der Pistoriusstraße 141 in Weißensee vier Stolpersteine verlegt.

Gedenkworte für Paula und Max Silberberg und ihre Töchter Edith und Ingeborg sprachen Benjamin Gidron als Familienangehöriger, der aus diesem Anlass aus Israel angereist war, und Michael Langmann, Vorsitzender der Stolpersteingruppe Weißensee, der die Feierlichkeit umfassend vorbereitet hatte.

Die Stolpersteingruppe Weißensee hatte zu dieser Verlegung eingeladen und der Verein “Sie waren Nachbarn” ist dieser Einladung sehr gern gefolgt, ist es ihm doch seit Jahren ein enges Anliegen, den Familienmitgliedern von Benjamin Gidron ein ehrendes Andenken insbesondere mittels Stolpersteinen zu bewahren.

Mehr als fünfzig Personen hörten in der Pistoriusstraße vor dem Haus Nr. 141 seinen persönlichen Erinnerungsworten zu.

Michael Landmann trug im Anschluss an seine eindringlich erläuternden Worte zum Anlass der Stolpersteinverlegung ein Gedicht von Ilse Weber vor, einer tschechischen, deutschsprachigen, jüdischen Schriftstellerin, die ebenfalls nach Theresienstadt deportiert wurde und gleichzeitig mit den Silberbergs dort interniert war. Auch sie wurde 1944 in Auschwitz ermordet, am 6. Oktober 1944, acht Tage vor Paula Silberberg und ihren Töchtern Edith und Ingeborg.

Ich wandre durch Theresienstadt

Ich wandre durch Theresienstadt,
das Herz so schwer wie Blei,
bis jäh mein Weg ein Ende hat,
dort knapp an der Bastei.

Dort bleib ich auf der Brücke stehn
und schau ins Tal hinaus.
Ich möcht so gerne weitergehn,
ich möcht so gern – nach Haus!

“Nach Haus!” – du wunderbares Wort,
du machst das Herz mir schwer.
Man nahm mir mein Zuhause fort.
Ich habe keines mehr.

Ich wende mich betrübt und matt,
so schwer wird mir dabei.
Theresienstadt, Theresienstadt,
wann wohl das Leid ein Ende hat –
wann sind wir wieder frei?

Dank der Unterstützung der Evangelischen Kirchengemeinde Berlin-Weißensee fand die eindrückliche Feierlichkeit einen mehr als gebührenden Abschluss: Aus der Mitte der Gemeinde kommend trugen die Geschwister Helena und Luisa – beide etwas jünger als Ingeborg und Edith – mit Gitarre und Klarinette ein dem Anlass wunderbar angemessenes Musikstück vor. Mit den nachdenklich stimmenden Tönen im Gedächtnis verließen die Anwesenden sehr besonnen den Gedenkort – mitten in der Großstadt.