15.2.2026
Der Newletter ist zurück!
Ab jetzt gibt es wieder monatlich Nachrichten aus dem Verein, Veranstaltungstipps, Termine sowie sonstige interessante Infos. Wir freuen uns über Beiträge von euch. Über den Button könnt ihr bis zum 10. jeden Monats eure Infos, Nachrichten und Anregungen mailen.
Mechtild Merfeld ist tot
Am 25.01.2026 starb Mechthild Merfeld, Gründungs-mitglied und langjähriges Vorstandsmitglied des Vereins „Sie waren Nachbarn“.
Zeit ihres Lebens engagierte sie sich beruflich wie privat gesellschaftspolitisch. So auch in ihrer Nachbarschaft in Berlin-Moabit seit 2012 bei der Initiative und späteren Verein „Sie waren Nachbarn“, um die Erinnerung an die Shoa wachzuhalten.
Bei der Weiterentwicklung der Initiative hin zu einem Verein im Jahr 2015 war sie maßgeblich an der Gründung beteiligt und ließ sich in den Vorstand wählen, den sie bis 2022 mit leitete.
Wer durch die Unterlagen des Vereins blättert, stößt ständig auf ihren Namen. In unzähligen Briefen und E-mails, die sie mit verschiedensten Menschen in Austausch brachte, spürt der Lesende ihre Beharrlichkeit, ihre Klarheit und ihre Geduld, die Dinge, die ihr wichtig waren, durch- und umzusetzen.
Mechthild Merfeld ist mit vielen Aktionen und Projekten des Vereins eng verbunden. Sei es die Umsetzung zur Kenntlichmachung des Deportationsweges „Ihr letzter Weg“, die Durchführung von Veranstaltungen zur Information und Aufklärung oder die Recherche und Unterstützung zur Verlegung von Stolpersteinen.
Besonders hervorzuheben ist der jahrelange Austausch mit der Familie Gidron in Israel, deren Vorfahren von den Nazis in Berlin verfolgt und ermordet wurden. So konnten für die Angehörigen der Familie Gidron etliche Stolpersteine verlegt werden. Es entwickelte sich eine Freundschaft, die von vielen Besuchen der Familie in Berlin, aber auch von einem Gegenbesuch einer Gruppe des Vereins, zu der auch Mechthild Merfeld gehörte, geprägt war.
Als sie merkte, dass ihre Kräfte nachließen, zog sie sich aus der Vorstandsarbeit zurück, nicht ohne weiterhin im Hintergrund mit Ratschlägen zur Verfügung zu stehen.
Wir haben mit Mechthild einen klugen und warmherzigen Menschen verloren. Wir vermissen sie und sind dankbar für die Zeit, in der wir gemeinsam die Anliegen des Vereins umsetzen konnten.
Unser Mitgefühl gehört den Angehörigen.
Nachruf von Benjamin Gidron
Mechthild Merfeld war eine beeindruckende Persönlichkeit in der
Gemeinde. Ihr Viertel Moabit war ihr sehr verbunden, und sie vergaß
dessen Geschichte nicht. Es war ihr ein Anliegen, jedes einzelne
jüdische Familienmitglied zu ehren, das vor dem Zweiten Weltkrieg dort
lebte und vom NS-Regime ermordet oder deportiert wurde.
So lernte ich sie kennen: Meine Mutter und ihre Geschwister wurden in
der Jagowstraße geboren, ihre Onkel, Tanten und Cousins lebten in der
Nachbarschaft, und mein Großvater hatte dort sein Geschäft. Mechthild
sorgte dafür, dass jedes dieser Familienmitglieder durch einen Stolperstein in der Nähe seines ehemaligen Wohnhauses geehrt wird. Sie organisierte die Anwesenheit der heutigen Nachbarn bei den Zeremonien zur Steinlegung und sammelte Spenden für die Stolpersteine und die Feierlichkeiten. Auch in vielen anderen Bereichen der Nachbarschaft setzte sie sich dafür ein, dass die jüdischen Nachbarn der Vergangenheit nicht in Vergessenheit geraten.
Ich werde ihr Engagement für die Initiative „Sie waren Nachbarn“ und
unsere Freundschaft immer in Ehren halten. Möge sie in Frieden ruhen.
Benjamin Gidron
Tel Aviv Professor Emeritus Ben Gurion University of the Negev
Aktion „Die Verschwundenen“
Im September 2025 hatte der Verein an verschiedenen Orten in Monat Silhouetten von Menschen aufgestellt, die an die geflüchteten und ermordeten jüdischen Bürger und Bürgerinnen erinnert sollten.
In kürzester Zeit wurden nahezu alle aufgestellten Silhouetten beschmiert oder sogar vollständig zerstört, häufig mit Hinweis auf das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza. Wir entschieden uns daher, die Aktion zunächst abzubrechen, sie aber zu einem späteren Zeitpunkt erneut zu starten – dieses Mal mit begleitenden Informationen.
Start ist nun im April 2026 mit einer erklärenden Ausstellung im Schaukasten vor dem Rathaus Tiergarten.
Schaukasten Rathaus Tiergarten
Jedes Jahr im November präsentiert der Verein hier Themen aus dem jüdischen Leben Moabits vor und während des Zweiten Weltkriegs. In den vergangenen Jahren waren das z.B.: jüdische Vereine und Geschäfte vor 1939, Zwangsarbeit, Krankenhaus Moabit uvm.
Welches Thema sollen wir diesen November bearbeiten? Vorschläge können uns über den Button gemailt werden.
Ausstellungen:
Das Altonaer Museum in Hamburg zeigt seit dem 4. Februar 2026 im Projektraum „Wegmarken jüdischer Geschichte“ die über 400-jährige, vielfältige Geschichte und Gegenwart jüdischen Lebens in Hamburg. Die Ausstellung beleuchtet kulturelle, sprachliche und religiöse Aspekte und thematisiert im Kontext der aktuellen Debatte um ein Jüdisches Museum Hamburg wichtige historische Stationen.
Als ergänzende Veranstaltung findet am 22.02.26 ein kostenloser Rundgang zu den nationalsozialistischen Deportationen in Hamburg statt.
https://www.shmh.de/ausstellungen/wegmarken-juedischer-geschichte/
Landesarchiv Berlin
Der Berliner Senat hat im Januar die Übertragung der Unterlagen der Entschädigungsbehörde Berlin an das Landesarchiv Berlin beschlossen. Dazu veranstaltet das Landearchiv eine Infoveranstaltung zu den zukünftigen Nutzungbedingungen.
Termin: 2. März 2026, 10:00-11:30h
Ort: Landesarchiv Berlin, Eichborndamm 115–121, 13403 Berlin
Anmeldung erforderlich bis zum 27.2.26!
info@landesarchiv.berlin.de
Kundgebung
Am 19.2. 26, 16:00 h findet vor dem Rathaus Tiergarten
eine von den „Omas gegen Rechts“ organisierte Kundgebung statt zum Gedenken an die Ermordeten des rassistischen Anschlags von Hanau von vor 6 Jahren.
Stolpersteinverlegung in der Jagowstr. 4
Wir laden Sie herzlich ein zur Verlegung der Stolpersteine für:
Gertrud Frank, ihre Kinder Bernhard und Werner, Margot, Gertrud und Max Jakoby sowie ihren Sohn John, Johanna und Alfred Meyer sowie ihre Kinder Johanna, Kurt und Rose.
Während die Eltern 1941 und 1942 aus unserem Haus deportiert und ermordet wurden, verließen die Kinder in den 1930er Jahren ihre Heimat und entgingen so dem Schicksal der Ermordung.
Im Anschluss an die Verlegung durch Gunter Demnig, Künstler der weltweiten
Stolpersteininitiative, wird es eine kleine Zeremonie geben, die an die Menschen erinnern soll.Termin: Sonntag, 8. März 2026, 13:30, Jagowstr.4.
Hier ein Link zur Geschichte und den jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern des Hauses:
/wp-content/uploads/2026/02/Juedische-Bewohner-des-Hauses-.pdf
Vorankündigung
Antisemitismus in Deutschland und in Berlin hat Konjunktur.
Mit einer Reihe von Veranstaltungen wollen wir verschiedene Facetten dieses Phänomens beleuchten.
Eine Veranstaltung findet in Kooperation mit der Mobilen Beratungsstelle gegen Rechts statt. Thematisch geht es um antisemitische Verschwörungserzählungen und deren Akteur*innen in Berlin.
Termin und Ort werden noch bekannt gegeben.
Während des Gazakrieges inszinierte sich die AfD als Verteidigerin Israels. Doch Antisemitismus gehört – wie Rassismus – zur DNA der rechtsextremen Partei AfD. Am 29. April 2026 um 19 Uhr berichtet Stefan Dietl über den Antisemitismus in der AfD (Titel seines Buches).
Als dritte Veranstaltung planen wir ein Gespräch mit Sigmount A. Königsberg, dem Antisemitismusbeauftragten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, über die Erfahrungen und Perspektiven jüdischer Menschen auf den zunehmenden Antisemitismus. Auch hier stehen Termin und Ort noch nicht fest.
Wir halten euch über die Termine und die Örtlichkeiten auf dem Laufenden.