„Die Verschwundenen“ Erinnerung sichtbar machen

Vor 1933 lebten mehr als 2.000 Jüdinnen und Juden in Berlin-Moabit. Sie waren Teil des alltäglichen Lebens – Nachbarn, Kolleginnen, Freunde. Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten konnten sie weitgehend unbehelligt leben. Doch mit dem Beginn der NS-Herrschaft änderte sich ihre Situation radikal.

Diskriminierende Gesetze, zunehmender Hass und gesellschaftliche Ausgrenzung bestimmten ihren Alltag. Nach und nach verschwanden Menschen aus dem direkten Umfeld – aus Wohnungen, aus Betrieben, aus dem öffentlichen Leben. Was für viele Nachbarn sichtbar begann, endete für Tausende in Deportation und Tod.

Im Oktober 1941 starteten die systematischen Deportationen der Berliner Jüdinnen und Juden. Rund 55.000 Menschen wurden verschleppt, etwa 30.000 von ihnen über den Güterbahnhof Moabit in Ghettos und Vernichtungslager transportiert. Damit war Moabit einer der zentralen Orte dieser Verbrechen in Berlin. Am Ende des Zweiten Weltkriegs war jüdisches Leben im Stadtteil nahezu ausgelöscht.

Die Verschwundenen

Ein Projekt gegen das Vergessen

Das Projekt „Die Verschwundenen“ des Vereins Sie waren Nachbarn e.V. macht diese Geschichte im heutigen Stadtbild sichtbar. Über ganz Moabit verteilt stehen nahezu lebensgroße schwarze Schattenfiguren. Sie symbolisieren die Menschen, die einst hier lebten und gewaltsam aus ihrem Alltag gerissen wurden.

Die Figuren sind bewusst schlicht gehalten und wirken gerade dadurch eindringlich. Sie begegnen einem unerwartet im öffentlichen Raum – etwa in der Waldstraße oder der Wiclefstraße – und schaffen Momente des Innehaltens.

Jede Figur trägt einen QR-Code, der direkt zu weiterführenden Informationen führt (siehe: https://www.dieverschwundenen.de/ ). Auf der Projektwebseite sind rund 2.000 Namen von jüdischen Bewohnerinnen und Bewohnern Moabits dokumentiert. Viele ihrer Lebensgeschichten wurden recherchiert und zugänglich gemacht.

Die Verschwundenen

Erinnerung im öffentlichen Raum

Mit begrenzten Mitteln verfolgt der Verein ein klares Ziel: sichtbar machen, was oft abstrakt bleibt. Es geht darum zu zeigen, dass die Verfolgung nicht anonym geschah, sondern mitten in der Nachbarschaft – vor den Augen der Gesellschaft.

Die Ausstellung ist noch bis zum Herbst im gesamten Stadtteil Moabit zu sehen und wird fortlaufend ergänzt. Wer Beschädigungen an den Figuren bemerkt, wird gebeten, diese zu melden.

Das Projekt wurde unterstützt durch die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen, das Bezirksamt Mitte sowie durch lokale Eigentümerinnen und Eigentümer, die Flächen zur Verfügung gestellt haben.

Ein stilles Zeichen – mitten im Alltag.
Weitere Informationen finden Sie auf https://www.dieverschwundenen.de.