Brief an EDEKA wegen rechtsextremer Zeitschrift [Update 12.5.20]

Heute Nachmittag hat unser Verein “Sie waren Nachbarn e.V.” einen Brief an die EDEKA-Filiale Moa-Bogen geschickt. Darin fordern wir die Geschäftsleitung auf, die rechtsextremistische Zeitschrift “Compact” aus dem Angebot zu entfernen, die den Holocaust verharmlost und offen rassistische Positionen vertritt.
EDEKA ist in den vergangenen Monaten bereits mehrmals auf den Charakter der Zeitschrift hingewiesen worden. Statt sie aus dem Programm zu nehmen wird sie nun sogar an besonders exponierter Stelle angeboten.

Sehr geehrte Frau S., sehr geehrte Damen und Herren,

wir haben festgestellt, dass Sie in Ihrer Filiale im Moa-Bogen regelmäßig die Monatszeitschrift “Compact” verkaufen. „Compact“ verbreitet rassistische Inhalte und ist politisch als rechtsextremistisch einzustufen. Sie hetzt regelmäßig gegen Migrant*innen und verharmlost die NS-Zeit. So auch in der von Ihnen verkauften Sonderausgabe zur Bombardierung Dresdens im Jahr 1945. „Compact“ wird seit März 2020 vom Verfassungsschutz als Verdachtsfall eingestuft.

Es ist für uns völlig unverständlich, wie Sie eine rechtsextreme Zeitschrift anbieten können und damit deren Propaganda in einem Stadtteil verbreiten lassen, in dem Menschen aus vielen Ländern und Kulturen leben, arbeiten und auch bei Ihnen einkaufen!

Als Verein, der an die aus Moabit deportierten Jüdinnen und Juden erinnert, wissen wir, wohin eine solche Hetze wie sie „Compact“ betreibt, führen kann. Zudem finden wir es unerträglich, dass nur einige hundert Meter vom ehemaligen Güterbahnhof Moabit, dem Ort, von dem mehr als 30.000 Menschen in Ghettos und Vernichtungslager deportiert wurden, eine Zeitschrift mit diesen Inhalten in Ihrem Warenangebot an prominenter Stelle zu finden ist.

Deshalb bitten wir Sie eindringlich, die Zeitung Compact inkl. deren Sonderausgaben kurzfristig und dauerhaft aus dem Angebot zu nehmen. Dies verstehen wir als einen Akt der Zivilcourage!

Andere Supermärkte haben die Zeitschrift schon aus dem Sortiment genommen bzw. haben dies angekündigt.

Mit freundlichem Gruß
Sie waren Nachbarn e.V.

Am 8. Mai kam als Reaktion aus der EDEKA-Zentrale in Minden eine E-Mail, die wir hier dokumentieren. Allerdings gab es Ende 2019 bereits eine Beschwerde über Compact bei Edeka und damals wurde exakt die gleiche E-Mail als Antwort geschickt. Offenbar ist sie dort als Textbaustein eingerichtet:

Vielen Dank für Ihre Nachricht.
Nach dem deutschen Presserecht haben wir leider keinen Einfluss auf die von uns verkauften Publikationen. Wenn ein Titel erscheinen darf und per Zuteilung durch den Presse-Grosso – der Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten e.V. – geliefert wird, sind wir verpflichtet, ihn anzubieten, da sein Inhalt im Sinne der Pressefreiheit als rechtlich unangreifbar eingestuft wurde. Der Bundesverband stellt dadurch sicher, dass ein breitgefächertes Meinungsbild ohne individuelle Selektierung des Handels stattfinden kann (Presse- und Meinungsfreiheit in Deutschland). Wenn innerhalb von drei Wochen kein Abverkauf eines Mediums stattfindet, kann dieses aus der Zuteilung entfernt werden.

Wir haben aber Ihren Hinweis zum Anlass genommen, den Bundesverband Deutscher Buch-, Zeitungs- und Zeitschriften-Grossisten e.V. um eine erneute Prüfung und Einschätzung des Compact Magazins gebeten.

Unser Unternehmen verfolgt mit seinem wertbasierten Leitbild kulturell das Ziel einer offenen Gesellschaft und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren rund 1.550 Märkten leben seit vielen Jahren die Vielfalt. Wir beschäftigen insgesamt 66.883 Menschen aus über 95 Nationen. Wir stellen uns jeder gesellschaftlichen Aufgabe in unseren Geschäftsgebiet von der niederländischen bis an die polnische Grenze, es umfasst einen Teil von Ostwestfalen-Lippe, nahezu vollständig Niedersachsen, Bremen, Sachsen-Anhalt, Berlin und Brandenburg.

Es ist sehr bedauerlich, dass bei Ihnen ein anderer Eindruck entstanden ist. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich in Zukunft vom Gegenteil überzeugen können.

Wir bleiben dran!